Einstellung trotz „hinreichenden Verdacht“

Missbrauchs-Vorwurf: Boxverband bremst Aufklärung aus, Hausverbot für Unterstützer*innen
„Ich habe immer geboxt, seit ich acht Jahre alt war. Boxen war mein Leben. Heute betrete ich keine Boxhalle mehr“, sagt die einstige deutsche Jugend-Meisterin (2011), die inzwischen 23 Jahre alt ist. In Schwerin traf sie auf den Landestrainer, Christian M., den sie nach Jahren des Schweigens angezeigt hat. Die junge Boxerin erzählt von einer Turnierreise nach Schweden im Jahr 2011, bei welcher der Landestrainer sie und eine andere Boxerin mit auf sein Hotelzimmer genommen und massiert habe.“Als ich mich danach verabschieden wollte, packte er mich an der Schulter und stieß mich nach hinten aufs Bett“, erzählt sie. „Ich habe gesagt: Nein! Ich gehe zurück auf mein Zimmer. Er hat dann meinen BH und seine Hose ausgezogen und über mir onaniert. Ich konnte nichts tun. Habe einfach weggeschaut.“ Es sei nicht der einzige Vorfall gewesen, schildert sie: 2012 habe Christian M. sie mit nach Polen genommen. „Der Lehrgang war ein falscher Vorwand. Ich musste ein Hotelzimmer mit ihm teilen. Da ahnte ich schon warum und hatte Angst. Stellte mich abends sofort schlafend. Irgendwann legte er sich hinter mich, zog meine Hose aus und schlief mit mir, ich wollte das nicht. Aber ich konnte nichts tun.“….
Christian M. wird suspendiert.  Trotz damals noch laufender strafrechtlicher Ermittlungen hob jedoch der neue Vorstand des Hamburger Amateur-Boxverbandes (HABV) die Suspendierung von Christian M. auf – quasi als eine erste Amtshandlung.

Es fehlen die Sanktionsmöglichkeiten, solange es keine Verurteilung gibt. „Wir sprechen Empfehlungen aus und die werden übernommen oder nicht. Mehr können wir im Sport nicht tun. Das ist Verbandsrecht“, sagt Conny Sonsmann von der Hamburger Sportjugend. „Wir sind darauf angewiesen, dass das Strafrecht klarere Vorgaben macht.“

Im August 2017 wurden die Ermittlungen gegen Christian M. eingestellt, obwohl die Staatsanwaltschaft in Schwerin einen „hinreichenden Verdacht“ für einen sexuellen Kontakt zwischen der jungen Boxerin und dem Trainer Christian M. für gegeben ansieht. Weil sie aber zum Zeitpunkt der Vorfälle über 16 Jahre alt war, wäre der Trainer strafrechtlich nur dann zu belangen, wenn sie ihm nachweisen könnte, dass er seine Machtposition ausgenutzt hat.

ÄH… absolut nicht nachvolziehbar… Was muß die betroffene junge Frau noch nachweisen… die Ausnutzung der Machtposition ist doch glasklar…

Nele Rades-Walther und Frank Rieth hatten sich fast ein Jahr für die Einhaltung der Leitlinien eingesetzt. Sie haben mittlerweile Hausverbot im Hamburger Boxverband. Der Grund: Verbandsschädigendes Verhalten. Die Ex-Boxerin hat Beschwerde gegen die Einstellung des Verfahrens eingereicht. Es ist somit noch nicht abgeschlossen. Der Beschuldigte ist bis heute weiter aktiv. Zwar ruhen seine Trainerlizenzen, doch als Teamleiter fährt er wieder mit Jugendlichen zu Wettkämpfen.

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