Die Gratwanderung der Ermittler*innen

„Australische Polizist*innen betrieben eine Missbrauchsplattform – und enttarnten Hunderte Nutzer. Wäre das auch in Deutschland möglich? Und sollten Ermittler*innen so weit gehen dürfen?“ www.spiegel.de

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Eine Dokumentation jahrzehntelangen Versagens

Studie zum Verhalten und Versagen des Bistums Hildesheim im Fall des Ex-Jesuitenpaters Peter Riedel veröffentlicht. Peter Riedel gehörte schon am Berliner Canisius-Kolleg zu den Haupttätern. ECKIGER TISCH hatte sich dafür in den letzten Jahren intensiv eingesetzt und zur aktuellen Situation eine Stellungnahme verfasst. Die Initiative ECKIGER TISCH ist die Selbstorganisation von Betroffenen von sexualisierter Gewalt an Jesuiten-Einrichtungen in Deutschland. >> www.eckiger-tisch.de

Spiegel: „Naivität, Verantwortungslosigkeit, unklare Kommunikation“ Ein verstorbener Bischof soll einen Messdiener, ein Pfarrer ein junges Mädchen missbraucht haben. Nun hat ein Münchner Institut im Auftrag des Bistums Hildesheim ein Gutachten zu den Vorwürfen vorgelegt.Das Bistum Hildesheim und der Jesuitenorden haben über lange Zeit wissentlich in Kauf genommen, dass Minderjährige durch den pensionierten Priester Peter R. gefährdet wurden. Zu diesem Ergebnis kommt das Münchner Institut für Praxisforschung und Projektberatung (IPP), das vom Bistum mit der Untersuchung beauftragt wurde und nun ein Gutachten vorgelegt hat.“

Es könnte etwas lauter werden

Die Debatten um sexuelle Gewalt werden von den immer gleichen Ruhigstellungs-Impulsen begleitet: Die Betroffenen seien selbst schuld und die Täter nur schwierige Typen. Das ist Teil des Problems.
Ein sehr gelungener Artikel von Margarete Stokowski im Spiegel 17.10.2017

Stokowski: „Mitschuldig sind auch all diejenigen, die im Falle von Sexualstraftätern oder anders gewalttätigen Männer immer wieder davon sprechen, wie nah angeblich Genie und Wahnsinn beieinanderliegen und die eine stille Faszination hegen für alte, aggressive Männer, die regelmäßig ausrasten. Das ist krank. Wer wie Bild.de schreibt, Weinstein sei „auch eine geniale Sau“ gewesen, huldigt einem Täter.“

Sexuelle Gewalt in der Schule

Für die DJI (Deutsches Jugendinstitut)-Studie „Wissen von Schülerinnen und Schülern über sexuelle Gewalt in pädagogischen Kontexten“ wurden mehr als 4.300 Schüler*innen der 9. Jahrgangsstufe sowie Leitungen von knapp 130 Schulen in den Bundesländern Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Thüringen befragt.

Der DJI-Studie zufolge sind 60% der befragten Jugendlichen schon einmal Opfer einer verbalen sexuellen Belästigung geworden. Rund 40% gaben an, dass in den vergangenen drei Jahren Witze über ihren Körper gemachte wurden; ebenso viele sagten, über sie seien üble Gerüchte verbreitet worden. Insgesamt sind Mädchen laut der Studie häufiger Opfer von sexuellen Belästigungen als Jungen.

Täter und Täterinnen waren überwiegend Mitschüler_innen sowie Jugendliche außerhalb der Schule. Die meisten Betroffenen (61%) erzählen Gleichaltrigen vom Erlebten, nur wenige (15%) wenden sich bei Problemen an das Schulpersonal.

Die gesamte Studie finden Sie hier beim DJI

Reformkommission Sexualstrafrecht übergibt Abschlussbericht

Die 1399 Seiten des Berichtes finden Sie hier. Zu gegebener Zeit, wenn wir diesen gelesen und diskutiert haben, folgt eine Stellungnahme von uns.

Am 19. Juli 2017 hat die Reformkommission zum Sexualstrafrecht ihren Abschlussbericht an den Bundesminister der Justiz und für Verbraucherschutz Heiko Maas übergeben.


Hintergrund:
In der Reformkommission haben sich seit Februar 2015 zwölf Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Gesetzgebung und Praxis an insgesamt 28 Sitzungstagen intensiv mit dem Sexualstrafrecht befasst und dabei fünfzehn weitere Sachverständige (u.a. die Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, den Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Psychologen und Psychiater) angehört. Der Abschlussbericht enthält 61 Empfehlungen. Quelle: https://www.bmjv.de

Der Betroffenenrat hat im November 2016 einen Forderungskatalog zum Reformbedarf an die Kommission eingereicht. Das angebotene Gespräch mit Betroffenen wurde leider nicht gesucht.

Kampf gegen „Kinderp…“

Wir fordern den Begriff Kinderpornografie abzuschaffen – hier geht es um Gewaltdarstellungen von sexualisierter Gewalt/Folter gegen Kinder und Jugendliche

Beim Bundeskriminalamt arbeiten inzwischen 140 Beamte in der Abteilung Cybercrime. 40 von ihnen befassen sich mit dem Thema „Kinderp…“. Die Polizei tut sich schwer damit, den Missbrauch von Kindern im Internet zu verfolgen. Mit virtuellen Lockvögeln könnte sie die Täter direkt online überführen. Allerdings ist diese Methode rechtlich umstritten.

Oranienburg – Anfang des Monats ist in Oberbayern ein Mann festgenommen worden, der gegen Geld den Missbrauch von Kindern online per Webcam nicht nur beobachtet, sondern auch Handlungsanweisungen gegeben haben soll. Gegen den Mann ermittelt derzeit die Staatsanwaltschaft Traunstein wegen mehrerer Tathandlungen. Cybercrime-Ermittler des Bundeskriminalamts hatten ihren Kollegen in Bayern den Tipp gegeben. Über die Ermittlungsmethoden schweigen die Beteiligten, das Verfahren läuft noch. Dem Mann drohen nun zwischen zwei und 15 Jahren Freiheitsstrafe.

Von Christiane Schulzki-Haddouti 17. August 2017 – 15:30 Uhr
Quelle: www.stuttgarter-nachrichten.de

www.kinderschutzhotline.de

Die „Medizinische Kinderschutzhotline“ ist ein vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) gefördertes, bundesweites, kostenfreies und 24 Stunden erreichbares telefonisches Beratungsangebot für Angehörige der Heilberufe bei Verdachtsfällen von Kindesmisshandlung, Vernachlässigung und sexuellem Kindesmissbrauch. Die Projektleitung hat Prof. Jörg M. Fegert von der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/ Psychotherapie Ulm.